Aufschlag Zastrow
Aufschlag Zastrow ist die Handelsblatt Kolumne von SPORT+MARKT Vorstand Hartmut Zastrow. Sie erscheint alle zwei Wochen montags im Sportbusinessteil des Handelsblatts. Hier Aufschlag Zastrow vom 16.05.2011:
Vereinsmanager allein am sportlichen Erfolg zu messen, greift zu kurz. Ein gut geführter Klub kann selbst einen Abstieg verkraften.
Hannelore Kohl äußerte einmal, wie schwer ihr die Umstellung vom normalen Berufsleben auf die öffentliche Rolle als Kanzlergattin gefallen sei. Oberflächliche Eindrücke und Urteile über die Arbeit ihres Mannes Helmut Kohl hätten die Wahrnehmung ihrer Person geprägt. Manager von Bundesligavereinen kennen ein solches Gefühl nur zu gut – auch sie werden oft nicht nach ihrer tatsächlichen Leistung beurteilt.
Eintracht Frankfurt ist am Wochenende aus der ersten Fußballliga abgestiegen. Warum? Weil Vorstandschef Heribert Bruchhagen antiquiert arbeitet, alles allein entscheidet und nicht genug Geld in den Kader steckt – so zumindest die Meinung einiger Medien. Vor einem halben Jahr stand Frankfurt auf Platz sieben – und derselbe Heribert Bruchhagen wurde gefeiert.
Bei Borussia Mönchengladbach lief die Entwicklung andersherum. Der Klub stand nach der Hinserie auf Platz 18 und die Vereinsführung am Pranger. Zum vermeintlichen Heilsbringer mutierte eine Protestinitiative um Ex-Spieler Stefan Effenberg. Nun hat sich die Borussia im Endspurt die Möglichkeit des Klassenerhalts via Relegation erspielt. Schon wird die Initiative kritischer beleuchtet und das Management hat gar keinen so schlechten Job gemacht.
Strategie, Geduld, Nachhaltigkeit – all das wird von Bundesligaklubs gerne und zu Recht verlangt. Doch gleichzeitig werden nach wenigen sieglosen Spielen drastische Maßnahmen gefordert – eine Sichtweise, die immer wieder das gesamte Vereinsumfeld erfasst. Ob ein Vorstand oder Geschäftsführer, der für die wirtschaftlichen Belange eines Klubs verantwortlich ist, gute Arbeit leistet, wird dabei oft nur anhand des Tabellenplatzes beurteilt. Das aber greift zu kurz. Wirtschaftlich steht die einst marode Eintracht dank Bruchhagen weiter erstklassig da. Er hat den durch teure Spielerkäufe in Schieflage geratenen Klub erfolgreich saniert – dieser hat genug Substanz für eine rasche Rückkehr in die erste Liga.
Nun ist Bruchhagen in Frankfurt auch für den sportlichen Bereich direkt mitverantwortlich. Nach dem Abstieg muss er sich zu Recht harten Fragen stellen. Auf die Spitze getrieben wird die Lage aber vom eigenen Aufsichtsrat. Vor dem letzten Spieltag wurden Überlegungen kolportiert, dass Bruchhagen im Falle des Abstiegs ein Sportdirektor zur Seite gestellt werde. Das wäre kurzatmig. Die Bewertung der Arbeit eines Klubchefs kann nicht allein davonabhängen, ob sein Team ein einziges Spiel gewinnt oder verliert.
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